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Abi-Rede 2010

Liebe Mitschüler, liebe Lehrer,
liebe Verwandte und Freunde,

viele Menschen sagen, dass mit dem Bestehen des Abiturs ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Ein Lebensabschnitt, in dem sich Vieles ändert.
Es beginnt eine Zeit in unserem Leben, in der wir lernen müssen Verantwortung zu übernehmen, selbstständig Entscheidungen zu treffen und gegebenenfalls auch mal das Geschirr eines Mitbewohners abzuwaschen oder dessen Blümchenunterhosen zu bügeln.
Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt, ein neuer Weg, den wir nun selbst gestalten können. Wir allein können entscheiden, wie dieser Weg auszusehen hat:
Wollen wir möglichst sicher in die Zukunft blicken, betonieren wir und bringen Fahrbahnmarkierungen an. So ist klar, welche Schritte wir gehen müssen und wohin der Weg uns führen soll.
Besonders Ehrgeizige von uns werden dieser Straße dann noch eine Überholspur hinzufügen.
Wollen wir aber Abenteuer, etwas erleben, dann ziehen wir die Schuhe aus und laufen barfuß über den felsigen Grund und warten einfach ab, wohin unsere Füße uns tragen.
Die Möglichkeiten sind unendlich und mehr als facettenreich. Egal welchen Weg wir einschlagen, ob wir langsam gehen oder lieber rennen, wir werden ihn finden, den einen Weg, der nur für uns bestimmt ist.
Vor ungefähr 13 Jahren war das alles noch ganz anders. Klar und unmissverständlich war geregelt:
Lackschühchen an, Schultüte in die Hand: Jetzt bist du in der Schule. Viel Spaß!
Unser Weg war weitestgehend vorgegeben.
Am Straßenrand erwarteten uns bereits am Anfang treue Begleiter wie der Brustbeutel, die Trinkflasche und das Hausaufgabenheft. Sie und viele andere halfen uns dabei Buckel-s und Vogel-v zu lernen und das 1x1 zu verinnerlichen. Später wurden diese dann von Formelsammlung, Taschenrechner und Powerpointpräsentation abgelöst, denn wir haben uns auf unserem Weg für die Ausfahrt „Wilhelm-Gymnasium in Richtung Abitur“ entschieden.
In den letzten 7 Jahren haben wir diesen Weg unermüdlich bestritten, allein und doch gemeinsam.

Wenn wir gleich das Wilhelm-Gymnasium das letzte Mal offiziell mit unserem Zeugnis in der Hand verlassen, dann gehen wir als andere Menschen, als die, die wir waren, als wir vor 7 Jahren kamen.
Natürlich sind wir älter und reifer geworden, was der Lauf der Zeit eben mit sich bringt. Aber auch die Schule hat uns in diesem wichtigen Lebensabschnitt geprägt, Möglichkeiten eröffnet und uns damit aus der Kindheit herausgeführt und auf unterschiedlichste Weise versucht, auf die Zukunft vorzubereiten.

Stellen wir uns das einmal bildlich vor:
Vor 7 Jahren schipperten wir alle wie kleine Segelschiffe über das Meer „Schule“. Wir waren ein bunter, quirliger Haufen, von dem das eine oder andere Schiffchen auch mal mit Mitschülern oder Lehrer zusammenstieß.
Und wie auf hoher See, gab es auch während der Schulzeit stürmische Zeiten, die einige unserer Mitstreiter vom Kurs abbrachten. Andere stießen aber dafür zu unserer Segelregatta hinzu, sodass wir heute in dieser buntgemischten Konstellation vor Ihnen stehen können.
Im Laufe der Jahre lernten wir viel dazu, wie zum Beispiel bei unserem echten Segeltörn auf dem IJsselmeer:
Dass es sich als Mannschaft einfacher segeln lässt, als alleine. Deswegen schlossen sich – kennzeichnend für unseren Jahrgang – kleine Grüppchen aus Einzelnen zu einer größeren Mannschaft zusammen. Immer mal wieder wurden die Konstellationen verändert und durch neue Freundschaften ergänzt.

Wenn viele in den ersten Jahren noch ziemlich kurslos herum schipperten, endete dieses dank der Oberstufe, dank der Lehrer, dank der Mitstreiter. Denn das Ziel, das Abitur, war klar gesteckt und in naher Ferne. Die Lehrerschaft des WGs bemühte sich nicht nur auf fachlicher Ebene uns auf das Abitur vorzubereiten, sondern auf oft durch neue Perspektivbildungen und darüber hinaus. Bei vielen von ihnen hatte das typische Lehrer-Schüler-Klischee durch persönliche Gesten und Ratschläge nicht immer Bestand.
Aber auch dank Diskussionen, die, als Konsequenz der vielen, sehr unterschiedlichen Individuen, immer mal wieder aufflammten, erweiterten wir unseren Horizont und blasen uns gegenseitig den Wind in die Segel.
Schließlich können wir alle heute stolz von uns behaupten, zusammen der stürmischen See des Wilhelm-Gymnasiums getrotzt zu haben.
Der „schlimmste Jahrgang aller Zeiten“ hat den Zielhafen erreicht. Ahoi!

Und nach all dem Stress, den hitzigen Argumentationen, aber auch dem ein oder anderen Lachkrampf heißt es nun endlich: Komm Abi, wir gehen. Bleibt nur noch die Frage wohin uns unser Weg führen wird. Welche Richtung werden wir wohl einschlagen?
Manche von uns haben schon ein bestimmtes Ziel vor Augen. Sie wollen berühmte Juristen werden, tolle Ärzte oder in die unendliche Welt der Wirtschaft einsteigen und das große Geld machen.
Die Unterstützung unserer Schule, der Schulleitung, der Lehrer, Tutoren und auch unserer Verwandten, Eltern und Freunde hat uns in den letzten wichtigen Jahren, aber wohl vor allem in den letzten Monaten der Prüfungen, beflügelt und geholfen. All diesen Menschen gilt ein großes Dankeschön, denn ohne sie wären wir wohl viel unsicherer und ängstlicher gewesen.
Die Schulleitung und vor allem Herr Thamm van Bahlen hat uns immer wieder großes Vertrauen entgegen gebracht.
Unser Jahrgangsleiter, Herr Schad, hat immer ein offenes Ohr für alle schlauen, aber auch so manch spezielle Frage gehabt. Er war es, der in den zwei Jahren Abiturchaos den Überblick behielt und uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand.
Im Hintergrund stehen unsere Familien und Freunde, die uns Mut und manchmal auch Trost gespendet haben.

Doch der größte Dank geht an diejenigen, die uns in den letzten zwei Jahren Tag für Tag aushalten mussten: unsere Lehrer und Tutoren.
Dank ihrer Vorbereitung haben wir das Abitur geschafft und wenn man sich unseren Jahrgang so anschaut, kann man doch sagen, dass sie ihren Job gut gemacht haben.
Wir haben uns alle durch unsere Leistungen in der Schule viele Türen geöffnet. Nun liegt es nur noch an uns hindurch zu treten und das Beste aus diesen Chancen zu machen.

Wir alle haben uns in den letzten zwei Jahren entwickelt, im Bezug auf unsere schulischen Leistungen, aber auch menschlich.
Jetzt sind wir wie ein Wanderer, der die erste Etappe seines Weges geschafft hat und nun an einer Kreuzung steht. Es liegt jetzt allein in unserer Hand, für welchen Weg wir uns entscheiden, welche Richtung wir einschlagen und in welchem Tempo wir vorangehen. Unsere Landkarte ist hier zu Ende und wir müssen anfangen alleine Entscheidungen zu treffen. Gerne werden wir zurückblicken, auf eine großartige Schulzeit, auf originelle Lehrer und wunderschöne Momente, doch heißt es jetzt seinen Blick erst einmal nach vorne zu richten und den ersten Schritt in einen neuen Lebensabschnitt zu wagen. Jetzt werden wir neue Erfahrungen und Erinnerungen dazusammeln. Wir werden neue Wege entdecken, vielleicht den ein oder anderen Umweg gehen, aber letztlich hoffentlich doch alle an unserem gewünschten Ziel landen.
Wir hoffen, dass sich unsere Wege des Öfteren noch kreuzen werden und wir uns in einigen Jahren zusammen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, an eine einzigartige Schulzeit zurückerinnern.

Doch zuerst: Zieht eure Siebenmeilenstiefel an und geht los! Geht mit leichtem Schritt und munter’m Sinn, aber schaut euch auch um auf euren Wegen, blickt immer nach vorn, doch manchmal auch zurück und gestaltet eure Reise für euch, interessant, sehenswert und voller wundervoller Augenblicke.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit.

Vivian Weitz, Svenja Hannig und Jasmin Schwarz

 

 

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