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Verabschiedung von Herrn OStR Christoph Busch
in den Ruhestand, 06.07.2011

Abschiedsrede von Herrn Thamm van Balen

08.07.2011: Verehrte Gäste, ein Schuljahr geht heute zu Ende, glückliche oder weniger glückliche Schülerinnen und Schüler ziehen mit ihren Zeugnissen in die Ferienzeit.

Für unseren Kollegen Herrn Christoph Busch ist der heutige Tag aber nicht nur das Ende eines Schuljahrs und der Beginn der wohlverdienten Sommerferien, sondern er ist der Abschluss seiner Lebensarbeitszeit als Lehrer am Gymnasium.

Zur Verabschiedung Herrn Buschs in den Ruhestand darf ich Sie alle sehr herzlich begrüßen.

Ich begrüße insbesondere Frau Busch, ich begrüße die weiteren Mitglieder der Familie Busch, ich begrüße als externe Gäste Frau Dr. Kovar, die Leiterin des School-Labs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt am Forschungsflughafen Braunschweig und Vertreterin eines unserer wichtigsten Kooperationspartner, ich begrüße die Mitarbeiterin des DLR-School-Labs Frau Walz, ich begrüße ganz herzlich die Vorsitzende unseres Schulelternrates Frau Campe, ich begrüße die Kolleginnen und Kollegen unseres jetzigen und unseres früheren Kollegiums.

Lieber Herr Busch,

die festlich-gehobene Stimmung hier im Saal und die Notwendigkeit, Sie heute aus dem Kollegium zu entlassen, stehen zueinander in einem Widerspruch.

Abschiede sind doch eigentlich nur dann ein Grund zur Freude, wenn sie ermöglichen, einem unerträglichen Joch zu entfliehen, oder wenn durch die Trennung eine Wende zum Besseren eintritt.

Beides sind im Hinblick auf Ihre heutige Verabschiedung ganz unbrauchbare Erklärungshypothesen: Niemand wird an Ihnen wahrgenommen haben, Unterricht und Schule seien Ihnen zur Last geworden – und indem Sie das WG verlassen, wird die Schule nicht besser, sondern verliert spürbar an Substanz!

Was die gehobene Stimmung hier im Saale betrifft, bleibt also zu vermuten, dass sie daher rührt, dass jeder von uns bestrebt ist, dieser Feierstunde zu besonderem Glanz zu verhelfen – als Ausdruck des Dankes für Ihre 32 Jahre am WG, als Ausdruck unserer guten Wünsche für die neue Zeit.

Kolleginnen und Kollegen, die den 50. Geburtstag, den 60. gar schon hinter sich gelassen haben, fallen in unserem Kollegium, das überwiegend aus 30jährigen besteht, stark auf.

Stellt sich dann noch heraus, dass unser Herr Busch bereits im Physiksaal stand, als seine späteren Kolleginnen und Kollegen gerade geboren wurden, gerät das Karussell der Metaphorik richtig in Schwung: Von „WG-Urgestein“ müsste dann die Rede sein, vielleicht auch vom „Fels in der Brandung der Bildungspolitik“ oder doch mindestens von „tragenden Säulen der Schulgemeinschaft“.

Alle Metaphern dieser Art sind für eine Kennzeichnung Herrn Buschs ganz ungeeignet, stellen sie doch das Moment des Unbeweglichen, ja des Erstarrten, des zwar Starken, aber auch Leblosen in den Vordergrund.

Ihre Arbeit am Wilhelm-Gymnasium, lieber Herr Busch, war hingegen in keiner Weise ein statisches, sondern stets ein dynamisches, auf wohlbedachte Veränderung und kontinuierliche Verbesserung zielendes Wirken!

Geboren am 18.08.1948 in Gera, haben Sie nach Schullaufbahn und Abiturprüfung an der Technischen Universität Braunschweig Mathematik und Physik studiert. Es folgte das Referendariat am Staatl. Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Lüneburg. Am 01.02.1979 wurden Sie Mitglied des Lehrerkollegiums unserer Schule. Mehr als 32 Schuljahre sind seither vergangen.

Die Arbeit dieser 32 Jahre mit ihren Besonderheiten, ihren Belastungen und ihren Erfolgen lässt sich nicht darstellen. Was Sie in dieser langen Zeit geleistet haben, wissen letztlich nur Ihre Schülerinnen und Schüler.

Wir hingegen müssen uns mit einigen Eckdaten begnügen, aus denen man erahnen kann, wie Sie über lange Zeit gearbeitet haben:

Und dabei sehen wir, dass Sie zahlreiche wichtige Ämter übernommen über Jahre mit Erfolg geführt haben.

Im Februar1982 übernahmen Sie das Amt des schulischen Strahlenschutzbeauftragten, und übten es aus bis auf den heutigen Tag.

Seit November 1984 absolvierten Weiterbildungskursen im Fach Informatik, ab dem Schuljahr 1986/1987 waren Sie zusätzlich zu Ihrer Lehrtätigkeit in Mathematik und Physik auch Fachlehrer für Informatik, in damaligen Zeiten eine höchst exotische und seltene, für manche Zeitgenossen vielleicht auch beängstigende Gattung von Lehrkraft!

Seit Mai 1984 sind Sie Leiter der Fachgruppe Physik, auch dies bis auf den heutigen Tag - , Leiter einer Fachgruppe, deren Bedeutung seither ständig gewachsen ist. Aufgrund Ihrer großen Verdienste um das Fach Physik wurden Sie am 10.12.2003 zum Oberstudienrat befördert.

Seit dem Schuljahr 1987/1988 bis zum Jahre 2004 waren Sie immer auch mit einigen Stunden an verschiedenen Orientierungsstufen in Braunschweig und Sickte tätig. Dies hatte einmal zur Folge, dass die dortigen Schülerinnen und Schüler sehr präzise in die gymnasiale Arbeitsweise eingeführt wurden. Dies hatte zum anderen zur Folge, dass ebendiese Schülerinnen und Schüler sich anschließend zuhauf am Wilhelm-Gymnasium anmeldeten.

Jahrelang betreuten Sie unsere Photovoltaikanlage, die uns wieder ins Bewusstsein gerückt ist, seit es diese schöne Messtafel neben der Mensa gibt – in Zeiten von Fukushima und Atomausstieg ein wichtiger Impuls!

Als Mitglied des Schulpersonalrats war Ihnen besonders daran gelegen, den Zusammenhalt des Kollegiums zu stärken und an der Weiterentwicklung der Schule mitzuwirken. Dabei kam Ihnen besonders zugute, dass Sie in ganz besonderem Maße besonnen und umsichtig handeln und dass Sie in besonderem Maße bedenken, welche Folgen die verschiedenen Maßnahmen der Personalvertretung haben würden.

Die Einführung der Stundentafel 1 und die damit verbundene Entwicklung eines sprachlichen und eines math.-nat.-Profils am Wilhelm-Gymnasium war ein schulpolitisches Wagnis besonderen Grades, dessen Ausgang wir seinerzeit nicht sicher abschätzen konnten. Dass das Math.-Nat.-Profil weiten Zuspruch gewonnen hat und sich die Profilbildung in der Mittestufe – einzig in Braunschweig am WG zu finden – zu einer Erfolgsgeschichte besonderen Ausmaßes entwickelt hat, ist nicht zuletzt Ihnen zu verdanken, Ihnen und Ihrer Mitgestaltung des Profilprogramms, Ihnen und Ihrer verlässlichen Betreuung der Profiljahrgänge, beispielsweise im Öko-Praktikum am Dowesee.

Ihre Mitwirkung bei der Erarbeitung des didaktischen Konzepts des School-Labs, des Schüler-Lern-Zentrums einer an Rang nicht zu übertreffenden Forschungseinrichtung ist ein besonderes Kapitel.

Im November 2007 trafen Herr Thomas, der Vorvorgänger des jetzigen DLR-Geschäftsführers, und ich zusammen und stellen fest, dass das DLR am Forschungsflughafen Braunschweig auf der Suche nach einer didaktisch kompetenten Schule war, um ein School-Lab zu errichten, während das WG darauf aus war, möglichst hochrangige Bildungsträger als Kooperationspartner zu gewinnen.

Herr Thomas und ich waren uns in der Sache rasch einig: Ein School-Lab wird möglich, wenn das DLR die wissenschaftlichen und die finanziellen Ressourcen bereitstellt und wenn das WG das didaktische und methodische Konzept entwirft.

Dieser plakativen Übereinkunft folgte nun eine höchst komplexe, mit vielerlei Schwierigkeiten gespickte und auf höchstes Niveau zielende Entwicklungsarbeit, an der Sie großen Anteil hatten. Wem bekannt ist, auf welcher qualitativen Ebene das DLR sich befindet und welchen Ansprüchen demgemäß ein didaktisches School-Lab-Konzept genügen muss, wird ermessen können, welche Verantwortung und welches Risiko die Schule mit der Übernahme der Entwicklung eines didaktischen Konzeptes eingegangen. Noch nie hatten wir uns so weit vorgewagt, noch nie waren wir unter so strenger Beobachtung durch hochrangige Wissenschaftler, durch Landesschulbehörde, Kultusministerium und eine kritische Fachöffentlichkeit.

Ab dem Schuljahr 2008/2009 stellte uns das MK Anrechnungsstunden für die von Ihnen mitgetragene Entwicklungsarbeit zur Verfügung. Nach Eröffnung des School-Labs durch den Vorstandsvorsitzenden des DLR und die niedersächsische Kultusministerin gewährte uns das Land Ressourcen für die Mitarbeit im laufenden School-lab-Betrieb, an dessen Entwicklung Sie, lieber Herr Busch, in ganz wesentlichem Maße beteiligt waren. Einen Teil Ihrer dienstlichen Tätigkeit seit August 2009 haben Sie an der neuen Lehr-und Lerneinrichtung geleistet, die Sie selber mit erfunden haben.

Dabei haben Sie die Schule aber keineswegs vergessen. Auch die erneuerungsbedürftige Ausstattung der Physik an unserer Schule hat Sie nicht zur (inneren) Emigration veranlasst. Im Gegenteil: Zusammen mit den Kollegen des Fachbereichs Physik haben Sie Pläne geschmiedet, wie die Physik auf den neuesten Stand zu heben wäre.

Und als sich der Schule die Chance einer vollständigen Sanierung der Physik eröffnete, war es von unschätzbarem Vorteil, dass der Fachgruppenleiter sofort zu sagen wusste, was zu sanieren ist, und wie im einzelnen die sanierte Fachabteilung auszusehen hat.

32 Jahre Arbeit für die Schülerinnen und Schüler des WG und für die Schule insgesamt, 32 Jahre Professionalität und Engagement, 32 Jahre Arbeit immer geprüft und bemessen an der Bildungsrelevanz für die konkreten Schülerinnen/Schüler, an der Zuträglichkeit für das Kollegium, an der Folgewirkung für das im Blick der Öffentlichkeit stehende WG. 32 Jahre lang waren Sie freundlich, unterstützend, fürsorglich, ausgleichend, wohlabgewogen, vorsichtig, nachdenklich – und nicht zuletzt: stets dezent, eher „im Stillen“, ohne große Bühne!

Gut, dass Sie heute im Mittelpunkt stehen! Gut, dass Sie viele Dankesworte hören und Zeichen der Verbundenheit erfahren!

Ich ahne: Am Ende werden Sie wieder sagen: „Ach, so viel habe ich gar nicht gemacht, ich habe da nur ein bisschen mitgeholfen ….“

Ihnen, liebe Frau Busch, herzlichen Dank für die Unterstützung Ihres Mannes in all den Jahren! Vielen Dank dafür, dass Sie manche Last mitgetragen und auch manche Freude geteilt haben! Als kleines Zeichen der Verbundenheit darf ich Ihnen diese Blumen überreichen.

Ihnen, lieber Herr Busch, wünsche ich einen guten Umstieg in die neue Zeit, Verbundenheit mit unserem Kollegium und unserer Schule und die Gewissheit, dass Sie zum Wohle so zahlreicher Schülerinnen und Schüler gearbeitet haben.

Thamm van Balen, Oberstudiendirektor

 

 

   

 

 

 

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